Heidelberger Institut zählt 118 gewaltsame Auseinandersetzungen, davon 35 mit hoher Intensität
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- Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) präsentiert
mit dem "Conflict Barometer 2006" seine aktuellen Daten und Analysen zum diesjährigen globalen Konfliktgeschehen. Unter den insgesamt 278 beobachteten Konflikten zählen die Politikwissenschaftler 118 gewaltsame Konflikte sowie 160 Interessengegensätze ohne den Einsatz physischer Gewalt. Während die Zahl der Krisen, d.h. Konflikten, in denen nur sporadisch Gewalt eingesetzt wird, im Vergleich zum Vorjahr leicht von 90 auf 83 sank, stieg die Anzahl der mit hoher Gewaltintensität geführten Auseinandersetzungen deutlich von 28 auf 35. Insbesondere Kriege nahmen mit einer Verdreifachung von zweien im Jahr 2005 auf sechs im Jahr 2006 signifikant zu. Nach dem seit Jahrzehnten niedrigsten Stand hochgewaltsamer Konflikte im Jahr 2005, muss 2006 daher insgesamt von einem merklichen Anstieg der Gewalt gesprochen werden. Die Hälfte der Kriege wurden mit Afghanistan, dem Irak und Israel gegen die Hisbollah in der Region des Vorderen und Mittleren Orient ausgetragen. Dort war die zweithöchste Anzahl hochgewaltsamer Konflikte zu beobachten. Führend in dieser Hinsicht war Afrika südlich der Sahara mit insgesamt 15 hochgewaltsamen Konflikten, darunter zwei Kriegen in Somalia sowie in der Darfur-Region des Sudan. Die Kriege im Irak und im Sudan waren bereits im Jahr 2005 auf dieser höchsten Intensitätsstufe ausgetragen worden. Asien war mit Sri Lanka im Jahr 2006 ebenfalls Schauplatz eines Krieges. Mit insgesamt 90 - etwa einem Drittel sämtlicher Interessengegensätze weltweit - stellt Asien und Ozeanien die Region mit den meisten Konflikten dar. Europa und Amerika dagegen hatten jeweils nur einen hochgewaltsamen Konflikt zu verzeichnen, in Tschetschenien und Kolumbien.
Eine sprunghafte Zunahme des Gewalteinsatzes war darüber hinaus in Guinea-Bissau und im Süden des Sudan zu beobachten, wo zwei neue Konflikte gleich mit hoher Gewalt entflammten, sowie in den Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Rebellen im Senegal und zwischen Israel und dem Libanon - dem ersten hochgewaltsamen Konflikt zwischen Staaten seit 2004. Die beiden letztgenannten wurden im Vorjahr noch gewaltlos und in diesem Jahr als ernste Krisen ausgetragen.
Die Gesamtzahl der beobachteten gewaltsamen und nichtgewaltsamen Konflikte ist gegenüber dem Vorjahr von 274 auf 278 leicht gestiegen, wobei einerseits fünf Konflikte 2005 endeten, aber andererseits im Jahresverlauf neun neue ausgebrochen sind. Von den bestehenden Konflikten verblieben 177 auf demselben Intensitätsniveau wie im Vorjahr. 46 Konflikte eskalierten - elf davon um zwei Stufen - und 46 deeskalierten, sechs davon um zwei Stufen.
Das Heidelberger Institut zeichnet sich seit seiner Gründung 1991 insbesondere dadurch aus, dass es neben gewaltsamen Konflikten auch nicht-gewaltsame Konflikte beobachtet. Damit werden nationale und internationale Auseinandersetzungen bereits vor einer möglichen Eskalation in die langfristige Analyse mit einbezogen.
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HIIK e.V. - der Verein
Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung e.V. (HIIK) ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, der sich der Erforschung, Dokumentation und Auswertung innerstaatlicher und internationaler politischer Konflikte widmet. Der Verein ging 1991 aus einem Forschungsprojekt "Konflikte seit 1945" von Prof. Dr. Frank R. Pfetsch am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg hervor, das von 1988-1991 u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt wurde.
Konfliktbarometer
Das HIIK veröffentlicht jährlich im Dezember ein Konfliktbarometer. Das Konfliktbarometer gibt die jährliche Soll- und Haben-Bilanz des globalen Konfliktgeschehens wieder. Das Konfliktbarometer ist nach fünf Weltregionen gegliedert und führt alle aktuellen Konflikte in ausführlichen Tabellen und kurzen, beschreibenden Textteilen auf. Ferner sind die globalen Trends im Konfliktverhalten der Staaten sowie die im jeweiligen Jahr ergriffenen Maßnahmen zur Konfliktbeilegung aufgenommen. Putsche, Putschversuche, Akte des Internationalen Terrorismus sowie neu ergriffene Maßnahmen der Konfliktbearbeitung werden ebenfalls erfasst.
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